Götter, Mythen, Jahresfeste -
Heidnische Naturreligion


Seit 1988 gab es bereits mein im Bohmeier-Verlag (später Peyn & Schulze-Verlag, Verlag Gitta Peyn) erschienenes Buch "Heidnische Naturreligion - Altüberlieferte Glaubensvorstellungen, Riten und Bräuche", das ich schon 1985 geschrieben hatte. Es wurde zuerst vom Bauer-Verlag unter dem Titel "Weisheit und Urkraft heidnischer Mythen" angekündigt, doch brachte dieser Verlag es dann doch nicht heraus. Das Buch mit 464 Seiten war noch bis 2003 im Buchhandel erhältlich.

Als nun eine Neuauflage anstand, wollte ich das Buch überarbeiten, denn einmal waren tatsächlich auch einige Fehler enthalten, außerdem habe ich in der Zeit von 1985 bis 2003 einige Dinge in der Mythologie neu erschlossen, weitere Quellen entdeckt und Dinge ergänzt, die mir damals noch nicht bekannt waren. Außerdem ist auch die Zeit fortgeschritten, und ein Publikum von 1985 mußte man anders ansprechen, als eines von heute. Damals war der einzige unbelastete Weg, sich dem Thema zu nähern, der über die Esoterik (Runen, Schamanismus, Kraftorte) oder über die Emanzipation der Frauen (Stichwort Matriarchat, Gleichberechtigung der Frau bei den Germanen, Göttinnen). Heute lehnen viele gerade die Esoterik ab und die Emanzipationsbewegung hat auch nicht mehr den Stellenwert, den sie damals hatte. Also konnte ich z. B. auf das Kapitel "Träume und Bewußtseinsreisen" verzichten, auch die Runen konnte ich herausnehmen, da es ja in der Zwischenzeit mein Runenbuch ("Heilige Runen - Zauberzeichen des Nordens", ergänzte Fassung, Ullstein 2004) gibt. Ich habe mich also auf die reine Religion konzentrieren können, wobei ich selbstverständlich z. B. die Besprechung des germanischen Tierkreises in den Grímnismál beibehalten habe. Derartige Dinge sind nun einmal meiner Ansicht nach eindeutig überliefert und auch jeder Mensch, der vielleicht Astrologie ablehnt, kann doch mit der Zuordnung von Gottheiten zu seinem Geburtstag etwas Konkretes anfangen

Das Buch wurde zu einem Standardeinführungswerk in das germanische Heidentum, auch deswegen, weil es das einzigste und erste Buch seiner Art war. Es ist heute nur noch antiquarisch zu bekommen.

Es wurde Zeit, das Buch zu überarbeiten und einige Fehler, die es auch gab, zu korrigieren. Die Arbeit führte aber schnell zu einem völlig neuen Buch, welches die Schwerpunkte anders setzte und der heutigen Zeit mehr entspricht. Auch wurden weitere Quellen und neuere Erkenntnisse berücksichtigt. So entstand das Buch "Götter, Mythen Jahresfeste", dem ich aber im Untertitel den alten Titel "Heidnische Naturreligion" gab, um den Bezug zu dem Vorgänger aufzuzeigen.

Die Ankündigung zu "Heidnische Naturreligion" stimmt genauso zu der Neufassung:
Vieles ist uns heute über die religiösen und esoterischen Vorstellungen der Indianer, der Buddhisten oder der Inder bekannt. Aber wie steht es mit dem Wissen um unsere eigene Vorzeit mit ihren Religionsformen und Traditionen? Hier klafft eine große Wissenslücke bei den meisten Menschen. Dem wird mit diesem Buche abgeholfen. Die alte europäische Naturreligion wird hier konsequent aus den überlieferten Quellen der Edda, der isländischen Sagas und der Berichte antiker Schriftsteller rekonstruiert. Damit ist es erstmals wieder möglich, diese Religionsform nicht nur kennenzulernen, sondern auch selbst zu praktizieren.
Gerade in einer Zeit, wo die Menschheit vor der Frage steht, ob sie es schafft, die drängenden Umweltprobleme zu lösen, wird dieser Rückblick auf die alteuropäische Urreligion, die ja immer zuerst eine Naturreligion war, nötig. Wir können die alte Form der Naturverehrung lernen, um mit diesem Denken und Handeln die Probleme einer drohenden Entfremdung von der Natur zu lösen.

Ausführlich werden die heidnischen Gottesvorstellungen behandelt und die Götter vorgestellt. Es werden Wege gezeigt, die für die eigene Person maßgebenden Götter zu erkennen.

Außerdem werden die altgermanischen Priester und Priesterinnen und natürlich die "weisen Frauen" oder Hexen dem Leser nahegebracht.

Der zweite Teil des Buches stellt uns die acht Hauptfeste des Jahres vor, mit ihrem Kult und Brauchtum, mit alten Segensformeln und Riten.
Nach den Festen des Jahres werden die Feste des Lebenskreises beschrieben, von der heidnischen Form der Taufe, der Hochzeit bis zum Totenbestattungsfest. Damit wird es möglich, daß jeder Leser diese Feste selbst durchführt. Dabei wurde so genau wie möglich die überlieferte Form beschrieben, so daß diese Feiern keine verkrampften "Neuschöpfungen" sind.

Aus dem Inhalt: Heidentum (Definition, Quellen, Weiterbestehen bis heute), Gottesvorstellungen (Zahl und Naur der Götter, den Göttern geweihte Pflanzen und Tiere), Götter (die einzelnen Götter mit Zuständigkeitsgebieten und Anrufungstexten), Mythen (die Welt- und Menschenschöpfung, Weltbeschaffenheit, Tyrkreis, Weltuntergang), Recht und Sitte (ethische Regeln, das Thing, erstmals in Deutsch das alte isländische Thingritual), Geister (Alfen, Disen, Nornen, Geisteranrufungen und -opfer), Jenseitsvorstllungen (Walhall, Hel, Leben nach dem Tode, Wiederverkörperung), Goden und Völven (Priester, Hexen), Heiligtümer (verschiedene Formen von Heiligtümern), das Blót (Ablauf der Opferfeste), Jahreskreis (Jahresfeste) und Lebenskreis (Geburtstag, Hochzeit, Bestattung).

Mit seinen 285 Seiten bietet das Buch eine grundlegende Einführung in das germanische traditionelle Heidentum (Altheidentum), die wissenschaftlich fundiert ist und dabei die wichtigen volkskundlichen Quellen nicht wegläßt. In 316 Anmerkungen werden die Quellen der abgedruckten Zitate, Gebete und Sprüche angegeben. Außerdem enthält das Buch 40 s/w-Abbildungen und ein farbiges Titelbild. Einige Quellen, wie etwa die heidnische altisländische Thingeröffnung, liegen erstmals in deutscher Übersetzung vor.

Géza von Neményi, "Götter, Mythen, Jahresfeste - Heidnische Naturreligion", Reihe Altheidnische Schriften, Kersken-Canbaz-Verlag 2004, 284 Seiten, 40 Abbildungen, ISBN  3-89423-125-4 (€ 23,90). B 9.

 

Rezension

Wer den Begriff des Heidentums erfunden hat, ist nicht bekannt, klar hingegen ist die Tatsache, dass die heidnischen Definitionen auf die Christen zurückgingen, die sich damit von allen Ungläubigen zu differenzieren suchten. Somit ist bei allem Naturglauben, begibt man sich auf die Ebene des Heidentums, der christliche Schatten als Gegenspieler involviert. Und kommt dementsprechend häufig, viel häufiger als es heutigen Heiden vielleicht lieb ist, in diesem Buch vor.

Dennoch versucht Geza von Nemenyi (der auf dem Einband als Allsherjargode betitelt wird! Was zum Himmel – oder hier besser zur Erde – ist das??) einen umfassenden Einblick in die Kulturen der christlichen Vorfahren unserer Breitengrade zu liefern.

Er zeichnet ein ausführliches Bild von den nordischen Götterzuordnungen, den Mythen von der Entstehung und dem Untergang der Welt, dem Geisterglaube, den Jenseitsvorstellungen, den Jahresfesten und Riten, den Priestern und Hexen, usw.

Inhaltlich also ordentlich bepackt stellt sich nun die Frage nach der Darbringung oben erwähnter Gaben. Diese ist für meinen Geschmack etwas zu verwirrend und eigensinnig. Zahlreiche Edda-Zitate führen den Leser tief hinein in die alten Sagen und Vorstellungen, werden jedoch nicht schlüssig und kompatibel in das Gesamtbild integriert, es wirkt künstlich. Genau so die scheinbare Notwendigkeit des Autors, auch im normalern Fließtext die alten nordischen Schriftzeichen beizubehalten. Da wird dann aus einem o ein o mit Kreis auf dem Kopf, was ich auf dieser Tastatur hier gar nicht vollführen kann. Ein intuitives Potpourri aus Zitaten, nordischer Schriftweise und wissenschaftlicher Ausarbeitung ist aber nicht notwendigerweise schlecht, und kann bestimmt den ein oder anderen Leser, der genug hat von langweiligen semiotischen Strukturen unserer Tage, faszinieren. Nur der Rezensent war nun mal verwirrt, genau so wie von der Tatsache, sich so sehr auf das Heidentum zu versteifen (eine christliche Kreation) anstatt die Natur in den Vordergrund zu stellen.

Natürlich sind wir letztlich dankbar, dass es überhaupt Menschen gibt, die uns alternative Sichtweisen darbringen, und allein dafür lohnt sich der Kauf allemal, oder wer hat schon gewusst, dass das deutsche Wort Gott vom Gvodan bzw. Wodan abstammt, also dem nordischen Göttervater Odin. Und dass die kasteiende Fastnacht nicht vom Fasten herrührt, sondern vom Fasen, was so viel wie fruchtbar sein bedeutet. Interessant, wie sich die Weltsicht durch solch eine Aufdeckung verändern kann.

Wer also gern auf ein bisschen Struktur verzichtet, wird hier mit ein paar Schätzen belohnt und Odin-Frey-Tyr-Freaks haben dieses Werk ja ohnehin schon, oder?

Quelle (2006): http://www.schenken.net/cgi-bin/db_site.cgi?seite=1233&

 

Amazon Rezensionen

(Bewertung bei Amazon: 4 Sterne)