Was unsere Märchen bedeuten

Deutung der bekanntesten Märchen aus der Sammlung

der Gebrüder Grimm

 

In unseren Märchen leben uralte Erinnerungen an die vorchristliche heidnische Zeit fort, die in vielen Jahrhunderten mündlich weitererzählt wurden und uns schließlich in den heutigen Märchenfassungen vorliegen.

In 18 Kapiteln werden in diesem Buch die bekanntesten Märchen aus der Sammlung der Gebrüder Grimm unter Berücksichtigung älterer Überlieferungen und ihrer Varianten mythologisch gedeutet. Die in den Märchen auftretenden Figuren werden als ursprüngliche Gottheiten oder Priester und Schamanen des vorchristlichen Kultes gedeutet und der in den Märchen enthaltene und oft nicht mehr erkennbare ursprüngliche Sinn wird entschlüsselt.

Mithilfe dieses Wissens wird die Kenntnis eines Märchens umfassend und vollständig, das Märchen wandelt sich von einem bloßen Unterhaltungstext für Kinder zu einer mythologischen Erzählung voller bisher verborgener Weisheit unserer Vorfahren, deren Intention uns nun erst verständlich werden kann.

Das Buch deutet ausführlich Märchen wie „Frau Holle“, „Hänsel und Gretel“, „Dornröschen“, „Rapunzel“, „Schneewittchen“, „Aschenputtel“, „Rotkäppchen“, „Tischlein deck dich“, „Rumpelstilzchen“ und viele andere. Die jeweiligen Märchentexte sind vollständig enthalten und mit vielen Bildern illustriert.

Diese Märchen kennt fast jeder, die Märchenbücher der Gebrüder Grimm gehören zu den meistverkauften Büchern überhaupt. Trotzdem also die Märchen so verbreitet und bekannt sind, weiß heute niemand mehr, was sie eigentlich bedeuten und welche ursprünglichen Mythen und Geschichten hinter den Märchen stehen. Heutige Märchendeuter zerlegen die Märchen in Einzelmotive und können daher ein Märchen in seinem ursprünglichen Zusammenhang nicht mehr ganzheitlich verstehen, es bleibt allein die Deutung der Psychologie der handelnden Personen.

Ich meinem Buch nun werden die Märchen in ihrer ursprünglichsten Fassung einschließlich der Varianten vorgestellt und mythologisch gedeutet. Die alte, vorchristliche heidnische Religion hat in den Märchen ihre deutlichen Spuren hinterlassen, deswegen finden wir hinter einigen Märchenfiguren ursprüngliche Gottheiten, in den Geschichten aber können wir die Reste der alten Mythen erkennen. Auch religiöse Riten wie Initiationen können wir noch ausmachen.

Ich folge hier der Linie, die schon von den Gebrüdern Grimm selbst ansatzweise begonnen wurde. Damit ist nun erstmalig der Schlüssel gegeben zum vollständigen Verständnis der Märchen. Ich betrachte ein Märchen wie ein altes Gebäude: Wenn man die jüngeren Farbschichten abkratzt, kommt nicht nur die alte Wandfarbe wieder zum Vorschein, sondern oft lassen sich sogar noch Teile von ursprünglichen Wandbemalungen wiederentdecken.

So ist es auch bei den Märchen, da sind jüngere Zusätze, die ältere Vorstellungen überlagern, da gibt es neuere Erklärungen für uralte Dinge.

Ich bringe zuerst jeweils das Märchen in der bekannten Fassung der Gebrüder Grimm, dann erwähne ich die Varianten und abweichenden Fassungen auch aus anderen Ländern, um schließlich mit der Deutung zu beginnen, wobei ich die alten Mythen auch teilweise zitiere.

Einige Beispiele: Warum hatte Rapunzels Mutter so einen Heißhunger auf Rapunzeln? Weil es in der ursprünglichen Fassung keine Rapunzeln waren, sondern Petersilie. Diese wurde damals zur Abtreibung verwendet – die Mutter wollte also eine ungewollte Schwangerschaft beenden. Der Zauberin war das sofort klar und sie verlangte nun das Kind.

Warum mußte die böse Königin im Märchen „Sneewittchen“ mit glühend gemachten Pantoffeln einen makabren Foltertanz tanzen? War das nur eine grausame Bestrafung? Nein, es war ein Gottesurteil, wobei derjenige, der sich von einer falschen Anschuldigung reinigen wollte, über 9 glühende Pflugscharen gehen mußte. Nach mehreren Tagen wurden seine Wunden begutachtet, waren sie gut angeheilt, galt er als unschuldig, waren sie aber entzündet, galt er als schuldig.

Warum wird ein König als „Drosselbart“ verspottet, wo doch eine Dossel gar keinen Bart hat? Weil der ursprüngliche Name „Rösselbart“ (Pferdebart) lautete und ursprünglich der Name eines Gottes war, von dem ein gleicher Mythos überliefert ist, in welchem er um eine ihn abweisende Frau in Verkleidung geworben hat.

Wer ist die böse Hexe im Märchen „Hänsel und Gretel“? In einer mecklenburgischen Variante heißt sie „Frau Frick“ und zeigt damit, daß hier wohl die ursprüngliche Göttermutter Frigg gemeint ist, die dann später als böse Hexe verteufelt wurde.

Soweit einige Beispiele.

Hier nun die Kapitelübersicht,. Die zeigt, welche Märchen behandelt werden:

1.   Der Bärenhäuter
2.   Tischlein deck dich

3.   Das tapfere Schneiderlein
4.   Frau Holle
5.   Der Teufel mit den drei goldenen Haaren
6.   Jorinde und Joringel
7.   Rapunzel
8.   Dornröschen.
9.   Sneewittchen
10.  Rumpelstilzchen
11.  Hänsel und Gretel.
12.  Der Eisenhans.
13.  König Drosselbart.
14.  Gevatter Tod.
15.  Aschenputtel.
16.  Einäuglein, Zweiäuglein und Dreiäuglein.
17.  Rotkäppchen.
18. Weitere Märchen (Die drei Spinnerinnen, Frau Trude, Der Wolf und die sieben jungen Geislein, Der Froschkönig oder der eiserne Heinrich, Von dem Fischer und seiner Frau)

Baron Árpád v. Nahodyl Neményi, "Was unsere Märchen bedeuten - Deutung der bekanntesten Märchen aus der Sammlung der Gebrüder Grimm". Verlag Books on Demand, Norderstedt 2015, 472 Seiten, 96 Abbildungen, 16,80 €, ISBN 978-3-7347-9796-5, B 16. Auch als E-Book erhältlich.